Stell dir vor, deine Firma braucht kurzfristig Geld – für eine neue Maschine, einen grösseren Auftrag oder einfach, um einen Engpass zu überbrücken. Der erste Gedanke vieler Unternehmerinnen und Unternehmer: zur Bank gehen. Doch eine aktuelle Studie der Hochschule Luzern (in Zusammenarbeit mit PostFinance, Tellco und Kamuno) zeigt: Das ist längst nicht mehr der einzige – und oft auch nicht der schnellste – Weg.
KMU sind das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft
Die Zahlen aus der Studie sprechen für sich: 99 Prozent aller Unternehmen in der Schweiz sind KMU. Trotzdem ist die Finanzierung für viele kein Selbstläufer. Laut den Studienergebnissen finanziert sich rund ein Drittel der KMU aus eigenen Mitteln, ein Drittel über klassische Bankkredite – und ein Drittel über alternative Wege ausserhalb der Bank.
Besonders eindrücklich ist eine weitere Erkenntnis: Rund 16'000 Schweizer KMU gelten als «entmutigt». Das heisst, sie verzichten von vornherein auf eine Kreditanfrage bei der Bank, weil sie sich wenig Erfolg erhoffen. Die Studie kommt deshalb zum Schluss, dass das heutige Bankangebot die Bedürfnisse vieler KMU nach schnellen, einfachen und günstigen Lösungen nur teilweise abdeckt. Genau hier setzt das an, was die Studie als «Finanzierungsökosystem» bezeichnet.
Was ist ein Finanzierungsökosystem?
Vereinfacht gesagt: ein digitales Netzwerk aus Banken, Plattformen, Software-Anbietern und Datenpartnern, die KMU auf unterschiedlichen Wegen Zugang zu Kapital verschaffen. Die Studie unterscheidet dabei zwei grosse Bereiche, die bisher eher getrennt funktionierten:
- Liquiditätsmanagement: Zahlungsströme im Griff behalten, Engpässe früh erkennen, Cashflow planen.
- Kreditvergabe: Kredite vergleichen, beantragen, prüfen und erhalten.
Diese beiden Welten verschmelzen zunehmend miteinander. Statt getrennter Prozesse entsteht ein durchgehendes System – von der Buchhaltungssoftware bis zur Kreditauszahlung.
Drei Trends, die KMU kennen sollten
Die Studie identifiziert drei zentrale Entwicklungslinien im Finanzierungsökosystem:
- 1. Technologie: Künstliche Intelligenz, Cloud-Lösungen und standardisierte Schnittstellen (APIs) treiben die Digitalisierung voran. Laut Studie ermöglicht das eine echte «End-to-End»-Digitalisierung: vom Onboarding über die Bonitätsprüfung bis zur Auszahlung – alles automatisiert und deutlich schneller als früher.
- 2. Markt: Die Studie beobachtet gleichzeitig eine Konsolidierung und ein neues Wachstum: Manche Anbieter verschwinden oder fusionieren, andere spezialisieren sich und wachsen gezielt in bestimmten Nischen wie Peer-to-Peer-Krediten oder Direct Lending.
- 3. Regulierung: Themen wie Open Finance und Instant Payments verändern die Spielregeln. Banken müssen laut Studie bis Ende 2026 in der Lage sein, Zahlungen in Echtzeit zu empfangen – das stellt auch das Liquiditätsmanagement in KMU vor neue Anforderungen, da Geldflüsse künftig rund um die Uhr möglich sind.
Embedded Finance: Der Kredit kommt zu dir, nicht umgekehrt
Ein Begriff, der in der Studie immer wieder auftaucht, ist «Embedded Finance» beziehungsweise «Embedded Lending». Gemeint ist damit, dass Finanzierungsangebote direkt dort eingebunden werden, wo KMU ohnehin arbeiten – zum Beispiel in der Buchhaltungssoftware oder im Zahlungsterminal. Ein Beispiel: die Partnerschaft zwischen der Neo-Bank Yapeal und dem FinTech Kamuno, die genau solche eingebetteten Kreditlösungen für Schweizer KMU anbietet.
Die Zukunftsvision, die in der Studie skizziert wird, geht noch weiter: Sobald sich in der Buchhaltungssoftware ein möglicher Liquiditätsengpass abzeichnet, werden passende Finanzierungsmöglichkeiten automatisch angezeigt – und können bei Bedarf direkt bezogen werden, ganz ohne separaten Antragsprozess bei der Bank.
Was heisst das für dich als KMU?
Die Studie zieht daraus einige klare Schlüsse, die auch für dich als Unternehmerin oder Unternehmer relevant sind:
- Es lohnt sich, alternative Finanzierungswege zu kennen, statt sich ausschliesslich auf die Hausbank zu verlassen.
- Digitale Plattformen und Vergleichsdienste machen es einfacher, Angebote zu vergleichen und passende Konditionen zu finden.
- Die Integration von Finanzierung in bestehende Software-Tools wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen – das kann Prozesse spürbar vereinfachen.
- Wer auf digitale Buchhaltungs- oder ERP-Lösungen setzt, ist gut positioniert, um von diesen neuen, eingebetteten Finanzierungsangeboten zu profitieren.
Kurz gesagt: Das Schweizer KMU-Finanzierungsökosystem ist im Wandel. Für Unternehmen bedeutet das mehr Auswahl, mehr Tempo – und die Chance, Finanzierung künftig als selbstverständlichen Teil des Tagesgeschäfts zu erleben, statt als mühsame Extra-Aufgabe.
Über die Studie
Dieser Beitrag basiert auf dem Bericht «Das Schweizer KMU-Finanzierungsökosystem – Marktüberblick, Entwicklungen und Implikationen» von Dr. Thomas Fischer, Hochschule Luzern (Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ), publiziert am 26. August 2026 in Zusammenarbeit mit Kamuno als Studien-Sponsor. Die Studie ordnet die wichtigsten Akteure des Schweizer Finanzierungsökosystems ein und beleuchtet technologische, marktbezogene und regulatorische Entwicklungen im Detail.
